Pressestimmen

Österreich

Kritik. Politisches Kabarett im sanften Plauderton mit knallharten Pointen: Das war die Wien-Premiere von "Liebe" am Dienstag mit Hagen Rether im Stadtsaal.

Lässig im Drehstuhl sitzend, putzt er fast permanent penibel den Konzertflügel, um ihn erstmals erst kurz vor der Pause zu spielen, während er den Zustand unserer Gesellschaft kritisiert, die Pazifist, Gutmensch und Frauenversteher als Schimpfwörter benutzt, aber sich zugleich über die soziale Kälte beklagt. Böse, aber wahr.

Außerdem analysiert er messerscharf den medialen Witzigkeitszwang und die "degenerierte Politikerkaste". Und "das ganze Elend". Wahlplakate mit der dürren Botschaft "Frank" inklusive: "Frank! Ihr seid echt noch pubertärer drauf als wir."  Oder in der originellen Umdeutung von CDU: "Christus dachte umgekehrt."

Er entlarvt blöde Werbesprüche wie "Schokolade macht glücklich."  Denn: "Die ist vollkommen überfordert mit der Aufgabe, wie eine Umfrage unter 1000 Schokoladen ergab." Wer nicht bis zum nächsten Gastspiel Rethers im Frühjahr 2014 warten will, findet auch einiges zum Lachen vom eloquenten Ruhrpottler auf YouTube.

(Werner Rosenberger; Kurier - Wertung 4,5 von 5 möglichen Sternen)

 

Deutschland

Hagen Rether verkörpert etwas, das selten ist: Eine Haltung. Er weicht nie aus, sondern bezieht Stellung, auch wenn die unbequem ist. Gegen Mitternacht gab es dafür Standing Ovations.

(Abendzeitung, Tina Schlegel)

Wo Finck immerzu unter dem Zwang stand, die Wahrheit auf offener Bühne umzumünzen und umzucodieren in etwas Falsches und Uneigentliches, da decodiert und enthüllt Rether drei Stunden lang im Zustand des beschwingten Ekels das Falsche und Fiese unserer Welt. Er ist der Asket und der Messias unter den Kabarettisten.

(DIE ZEIT, Peter Kümmel)


Sprachlich so geschliffen und knallhart wie kein anderer wehrt sich da ein von der Welt enttäuschter Intellektueller, betreibt eine verletzte Seele Aufklärung in ihrer furiosesten Form, mit allem, was das Arsenal an Ironie, Sarkasmus und Zynismus hergibt. Nach wie vor einzigartig.

(Süddeutsche Zeitung, Oliver Hochkeppel)


Das Programm heißt übrigens LIEBE. Es ist eine Sternstunde des Kabaretts.

(Frankfurter Rundschau, Daniel Bartetzko)


Keine Frage, mit Rethers kurzweilig-intelligenter, oft hochpolitischer Pianoplauderei ist das deutsche Musikkabarett endlich im 21. Jahrhundert angekommen.

(FAZ, Michael Köhler)


... ist Aufklärer und möchte im Lichte Kants und Lessings Erhellendes sagen - gegen Heuchelei, Angstmacherei, Ungerechtigkeit und Verdummung. Das sollte gutes Kabarett leisten, auch wenn es Gefühle verletzt. Vielleicht muss gutes Kabarett heutzutage auch Gefühle verletzen, um den Panzer aus Stumpfsinn zu durchschlagen, der sich über die Welt zu legen droht.

(Mannheimer Morgen, Jörg-Peter Klotz)


Drei Stunden lang nimmt er planvoll und ohne Hast, voller Sarkasmus, Ironie und Angriffslust das Weltgetriebe auseinander - die personifizierte Rache des ewig auf Abstand gehaltenen Intellektuellen an den "Machern" dieser Welt. Die uralte kritische Botschaft, die Verlogenheit der Konsumgesellschaft und des Establishments zu geißeln, erfüllt er subversiv, nonchalant und hundsgemein.

(Süddeutsche Zeitung)


Rether ist zynisch, respektlos, politisch absolut unkorrekt und - fabelhaft!

(Hamburger Abendblatt)